Stand: 01. Juni 2010
Editorial
1. Juni 2010
Leider bleiben die Internetseiten des Bundesverbandes Studentische Kulturarbeit e.V. häufiger mal ungepflegt. Unsere Situation hat sich seit unseren Reanimationsversuchen 2005 nicht wesentlich verändert. Oder vielleicht doch? Und wir sehen das nur noch nicht und können es auch nicht nach außen tragen. Verändert hat sich auf jeden Fall, dass wir ein Archiv für Kulturarbeit gegründet haben, das wir kurz KulturArchiv nennen. Wir haben uns um die Systematisierung der Inhalte und der Kulturarbeit bemüht und waren auch dabei nicht ganz erfolglos. Wir haben einen Umzug des Archivs aus Bochum nach Essen geschafft, und nun gibt es auch inhaltliche Vorstellungen für dieses KulturArchiv. Es steht in einem logisch-rhizomatischen Zusammenhang zur Idee eines KulturLabors. Es entwickeln sich keine Organisationsstrukturen einfach aus dem Nichts. Sie bedürfen einer ausgesprochenen oder impliziten Philosophie. Wir haben hier eine Mischkalkulation vorliegen: einen Teil unserer Philosophie bringen wir unausgesprochen aus der Vergangenheit mit und einen Teil formulieren wir neu und versuchen daraus eine gewisse Systematik gegen alle Geld- und Personalnot zu entwickeln. Hilfe haben wir uns hierbei von Fonds Soziokultur erhofft, diese aber nicht gefunden. Die Antragsbürokratie geht ihre eigenen Wege; da passt ein alter Verband, der immer wieder auch Projekte gefördert bekam, nicht mehr in das Förderungsschema. Ob wir ein neues KulturArchiv einrichten oder nicht, ob wir an unserem Begriff von Kulturarbeit arbeiten oder nicht, ob wir Workshops und Symposien und auch Publikationen anbieten wollen oder nicht - wen interessiert das schon? Die einen sind in ihrer bürokratischen Borniertheit verfangen, die anderen, wie die Kolleginnen und Kollegen vom fzs, die uns Geld versprachen, was auf einer Mitgliederversammlung beschlossen wurde, aber niemals zahlten, haben nur ihren eigenen Aktionismus im Blick und viele direkt auch die eigene Politkarriere. Da passt eine solide Theoriearbeit nicht in den Kram. Ja, sie ist sogar unerwünscht, weil sich durch sie der blinde Aktionismus einer leidlich erfolgreichen Protestkultur als ungenügend herausstellen könnte. Phantasie und Kreativität sind nur als Mittel zum Zweck geduldet, nie dürfen sie bei der Gestaltung der Zwecke mitsprechen. Der Erfolg der Protestkultur wird nur an der wachsenden Zahl der Protestierenden gemessen, nicht an den durchgesetzten Forderungen oder an der aktiv umgestalteten Realität. Für diejenigen, die das organisieren, ist das eine biographische Note in ihrer Karrierevita. Was übrig bleibt, ist verbrannte Erde.

Dabei gibt es immer und immer wieder auch Ideen, Forderungen und Ansätze innerhalb der Protestkultur nach Nachhaltigkeit, Phantasie und neuen Konzepten. Hätte das KulturArchiv nicht auch Freunde gefunden, hätte die Mitgliederversammlung des fzs auch keine Förderung beschlossen. Ein Beschluss, der einfach nur vom Vorstand gekippt wurde, indem man ihn unter den Tisch fallen ließ. Dieses Verhalten werden die braven Studis der Protestkultur von denjenigen Parteivorständen und Professoren in Senaten gelernt haben, gegen die sie sich zu richten einbilden.

Um nicht falsch verstanden zu werden: der BSK hält Proteste bestimmt nicht für sinnlos. Demonstrationen sind ebenso ein fester und unverzichtbarer Bestandteil der Demokratie und der demokratischen Willensbildung, wie es auch Parteien und parteinahe Stiftungen sind. Diskutiert werden müssen aber die Inhalte, und auch das bedarf einer Organisation und der strukturbildenden Maßnahmen.

Trotz mangelnder Beachtung und Unterstützung haben wir eine Infrastruktur geschaffen, die sich sehen lassen kann und die Raum für die Aktion der Theorie bietet. Kulturarbeit ist immer schon ein Kampf um Bildung und die Köpfe gewesen und niemals nur die Frage nach der Organisation von Festivals.
Trotz Personal- und Geldnot arbeiten wir weiter, entwickeln unsere Inhalte und präsentieren sie der interessierten Öffentlichkeit.

Und wir sind sicher, dass unsere wahren Freunde zu uns finden werden, wenn der Pulverrauch des Budenzaubers der Aktivisten und Karrieristen verraucht sein wird.

Uri Bülbül
Bochum, 1. Juni 2010